Archiv für April 2015

Update: Morgen Kundgebung und nächstes Treffen

Zusammen mit dem TerrArista Tekk Tribe gibt es morgen, am Sonntag, den 19.04., die nächste Aktion im Görli:
Unter dem Motto Tekk Back Da Park – Free Ohlauer, Reclaim Görli wird es viel Mucke, Infos und Redebeiträge geben.

Komm also morgen ab 14 Uhr in den Park, das Mikro is offen und alle können mitmachen!
Terrarista

Unser nächstes offenes Treffen findet dann nächste Woche statt:
Am 23.04.2015
Um 19 Uhr
Im New Yorck (Bethanien)

Piss dann!
//Görli for all

Next Meeting und Kiezversammlung

Nach dem ersten Soli-Kiff-In letzte Woche und der Demo am Samstag geht es diese Woche weiter.

Am Donnerstag finden gleich zwei Treffen auf einmal statt:
Unser offenes Plenum, „Görli for all!“, um 19 Uhr im New Yorck im Bethanien.
Sowie die „Kiezversammlung von Unten“ gegen Verdrängung und Repression um 18:30 im Biergarten Jockel.

Vielleicht könnt ihr euch ja aufteilen und einige kommen zu uns und andere gehen zur Kiezversammlung. Es ist wichtig, dass wir uns alle zusammentun und organisieren, und dass ein Austausch zwischen allen engagierten Menschen im Kiez stattfindet.

Die Situation im Görli ist weiter prekär. Seit der Einführung der Null-Toleranz-Zone patroulliert die Polizei, sowie die Kripo und Zivilpolizisten vermehrt im Görli mit ihrer „Säuberungsaktion“. Wir müssen weiter Präsenz zeigen und dagegen vorgehen.
Görli for all! Kreuzberg for all!

Morgen auf die Straße!

Wir solidarisieren uns mit den Kämpfen der Geflüchtetenbewegung #ohlauer!
Morgen, am Samstag um 13h, gehen wir dazu gemeinsam auf die Straße.

Bringt Transparente und Plakate mit! Lasst uns laut und kreativ sein!

Say it loud, say it clear: Refugees are Welcome here!

Demo

Gestern war das erste Soli-Kiff-In…

…und es sind über 500 Leute zum Protestieren gekommen! Finden wir super. Viele ham geraucht, einige gekifft, alle gequatscht. Darunter auch über ein paar politische Botschaften: Hanfflaggen und Legalize it, aber auch Leute, die sich über die politischen Zusammenhänge im Görli bewusst sind und unter dem Motto „Refugees Welcome“ und „Stop Rassistische Polizeikontrollen protestiert haben“. Wenn du ein bisschen mehr Hintergrund dazu haben willst, warum das „Null-Toleranz“-Konzept viel mit der Situation der Geflüchteten zu tun hat, kannst du diesen Beitrag von uns lesen: Was passiert im Görli?

Die Bullen ham sich ja zurückgehalten gestern, waren ganz brav und standen im Hagel und ham uns zugeguckt – das war fast zu erwarten gewesen. Warum? Naja, wären sie wirklich gestern gegen den Protest vorgegangen, hätten sie so einiges dazu beigetragen, dass sich eine gemeinsame politische Initiative entwickelt, die solidarisch und wütend ist. Das wollen die natürlich nicht, zur Politisierung so vieler Menschen beitragen. Wir hoffen, dass sich aus dem Protest gestern trotzdem weiter etwas entwickelt. Es ist ja schon das nächste Kiff-In geplant! Lasst uns alle einladen, lasst uns teilnehmen, lasst uns uns organisiern!

Auch wenn der Protest gestern ne coole Idee war: ganz so rosig siehts nich aus. Die Bullerei ist bereits am Tag vorher fleißig durch den Park und hat Leute abgegriffen – der Park ist auf jeden Fall schon leerer geworden. Sie scheinen schon massiv festgenommen und vertrieben zu haben! Die wollen, dass man sich als geflüchtete und als nicht-weiße Person gar nich mehr in den Park und Umgebung trauen kann.

Wir müssen das gemeinsam verhindern!
Lasst uns den Park zurückerobern!

Hier ein paar Eindrücke von gestern:
Kiff-In

Kiff-In2

Kiff-In3

Was passiert im Görli?

Und wie hängen Drogenpolitik, Asylpolitik und Gentrifizierung zusammen?

Wie lange gibts den Görli eigentlich schon?
Der Görli wurde Ende der 1980er Jahre angelegt und wurde schnell zu nem bunten Teil von Kreuzberg, wo sich viele verschiedene Leute engagiert haben. Es gab hier aber auch schon immer Konflikte zwischen verschiedenen Leuten, zum Beispiel wegen Sexismus oder Drogen.

Was hat sich im Görli in den letzten Jahren verändert?
Viel! In Kreuzberg ist vor allem “Gentrifizierung” passiert, das heißt Mieten sind immer teurer geworden, Menschen mit wenig Geld mussten wegziehen und mehr besserverdienende Leute sind hergezogen. Der Senat hat viel dazu beigetragen den ganzen Bezirk schicker zu machen für diese Leute. Viel wurde privatisiert. Es kommen auch immer mehr Touristen nach Kreuzberg und in den Görli. Was sich noch verändert hat: in den letzten Jahren sind viele “Flüchtlinge”, also geflüchtete Personen, hier in den Park gekommen. Das sorgt für komplexe Konflikte zwischen verschiedenen Gruppen, die sich in den letzten Jahren immer mehr zugespitzt haben.

Wie sieht die Situation der Geflüchteten hier im Park aus?
Einerseits ist der Görli für viele zum sozialen Aufenthaltsort geworden, um am Kreuzberger Alltagsleben teilzunehmen und unter Leute zu kommen. Diese Personen sind z.B. über Italien aus menschenunwürdigen Umständen geflohen, haben keinen Aufenthaltstitel und keine Arbeitserlaubnis und müssen in Illegalität leben. Andererseits muss in Berlin angekommen irgendwie Existenz gesichert werden.
Deswegen ist der Erwerb aus Verkauf von Gras oft die einzige Möglichkeit für viele Geflüchtete, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Für die meisten ist das nicht der Traumjob, außerdem begeben sie sich damit massiv in Gefahr. Einige Geflüchtete mit muslimischem Glauben wollen sogar ausdrücklich keine Drogen verkaufen, sehen aber für sich in ihrer Notlage keine andere Wahl.

Wie wird mit ihnen umgegangen, was sind die Vorurteile?
“Die verkaufen ja gerne Gras”:
Das bei vielen vorherrschende Bild von People of Colour, die angeblich mit irgendwelchen “Legalize-It”-Motiv freiwillig Cannabis verkaufen würden, ist vor dem Hintergrund der Notlage der Geflüchteten ein ziemlich romantisierendes Vorurteil.
“Denen gehts ja gar nicht schlecht”:
Die Fluchterfahrung, die dem Aufenthalt im Görli vorausgeht, bleibt für viele Anwohner*innen unsichtbar. Anwohner*innen sagen, dass die “Dealer” sich teilweise sehr offensiv verhalten, also Leute anquatschen und laut sind etc., Geflüchteten wird unterstellt, sie verhielten sich normabweichend aus bewusster Boshaftigkeit.
“Außerdem verhalten die sich manchmal sexistisch”:
Statt sexistisches Hinterherpfeifen durch Men of Colour im Görli als typisches Problem der Dealer zu kritisieren, könnten weiße Feministinnen sich in ihren Kämpfen mit Women of Colour solidarisieren. Sonst handelt man sich im Kampf gegen Sexismus den Rassismus hinterum wieder ein.

Wieso ist die Situation im Görli ein Schaubild für schreckliche Asylpolitik?
Europa, Deutschland, Berlin machen restriktive, bürokratische, ängsteschürende (“Überfremdung”) Asylpolitik nach dem Prinzip der “Menschenverwaltung”: Als würde es sich nur um Namen auf Papier handeln, keine Aufenthaltstitel, Unterbringung in menschenunwürdigen Lagern, keine Arbeitserlaubnis. Eigentlich sind Asylbewerber gar nicht erwünscht, man muss sich zwar irgendwie um die kümmern, weil das halt im Grundgesetz steht, aber eigentlich will man die schnell wieder loswerden. Deswegen ist das Ziel dieser Politik meist Abschiebung in Drittstaaten oder angeblich “sichere” Herkunftsländer.

Wie setzt der Senat, das Bezirksamt und die anderen politischen Akteure das hier im Park um?
Zum Beispiel mit super viel Polizeipräsenz, Polizeikontrollen, selbstverliehenen Sonderrechten an “Kriminalitätsbelasteten Orten”, Law and Order, Task Force Görli, Broken Windows Strategie.
Wenn du eine Liste mit Beispielen haben willst, was der Senat in Kreuzberg alles schon so gemacht hast, findest du das bei goerliforall.blogsport.de unter Info. Ein aktuelles Beispiel ist die Gerhart-Hauptmann-Schule, die grad still und heimlich geräumt wird vom Senat. Ein anderes Beispiel ist die Einführung der Null-Toleranz-Zone, gegen die wir heute gemeinsam protestieren.

Was hat das mit dem Kiff-In heute zu tun?
Der Senat hat hier ab dem 31. März eine “Null-Toleranzzone” eingeführt. Der Besitz, Konsum und Verkauf von mehr als 1 Gramm Cannabis sind strafbar. Warum? Wenn du unserer Argumentation bis hierhin gefolgt bist, dann stimmst du vielleicht zu, dass es sich dabei um eine weitere Strategie handelt, vor allem die geflüchteten Personen aus dem Park zu vertreiben. Zusammen mit einer Polizeikontrolle wegen der neu konstruierten Cannabisregel wird auch der aufenthaltsrechtliche Status geprüft. Für Menschen mit klarem Aufenthaltsstatus bedeutet so ein Verstoß ein Ermittlungsverfahren mit Geldstrafe. Für Geflüchtete bedeutet es eine mögliche Abschiebung

Was können wir gemeinsam machen?
Wir können versuchen, öffentlich gegen diese rassistischen Zustände zu protestieren. Lasst uns Kreuzberg und den Görli als Ort verteidigen, in dem jeder Mensch Platz hat und in dem wir solidarisch füreinander da sind. Mehr Infos zu unserer Initiative findest du unter goerliforall.blogsport.de. Schreiben kannst Du uns auf goerliforall@riseup.net